Gartenvögel füttern – ein Kann, kein Muss

Natur | Autorin: Michaela Butz

Wer Gartenvögel füttert und sie dabei beobachtet, tut vor allem für sich selbst etwas Gutes. Das macht mir Hobby-Ornithologe Detlef Wucherpfennig klar. Wenn Vogelhäuschen und -tränke nicht sauber gehalten werden, schadet man den gefiederten Freunden unter Umständen sogar. Besser ist es, Lebensräume, also einen naturnahen Garten, für sie zu schaffen.

Lesedauer: rund 5 Minuten

Ein Vogelhaus in unserem Garten machte uns diesen Winter sehr viel Freude. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand stand ich oft am Küchenfenster und konnte – als Zaungast im eigenen Garten sozusagen – vom Kommen und Gehen am Vogelhäuschen nie genug kriegen.
Als Vogeltränke diente ein Blumentopf-Untersetzer, in den ich ein paar flache Steine gelegt hatte. Auch bei wenigen Plusgraden haben die Gäste ein Bad sichtlich genossen.
Besucht wurde die Futterstelle über den ganzen Winter von einer sehr bunten Truppe: Meisen, ein Buntspecht, ein vorlautes Elsternpaar, zwei edle, grau-braune Tauben, ein Rotkehlchen, ein Eichelhäher…
Das Futter kaufte ich hier und dort im Super- oder Baumarkt. Die Nüsse waren der Hit. Sonnenblumenkerne waren beliebt. Die Meisenknödel gingen nur weg, wenn alles andere aufgefuttert war.

Plötzlich waren sie weg

Eine Schar Spatzen hielt immer gebührenden Abstand und bediente sich nie am Futter. Seit drei, vier Wochen nun ein ganz anderes Bild. Meine bunte Truppe ist weg, nur die Spatzen und das Taubenpärchen scheinen noch Hunger zu haben. Gleichzeitig lese ich von einer neuen Blaumeisen-Krankheit.
Ich habe das Futterhäuschen zwar nicht geschrubbt, aber doch auf Sauberkeit geachtet. Auch habe ich nie viel Futter bereitgestellt, dafür regelmäßig nachgefüllt. Und trotzdem beschäftigt mich die Frage: Habe ich ungewollt zur Verbreitung von Viren, Bakterien oder anderen Krankheitserregern beigetragen?

War mein Vogelhäuschen eine Viren-Schleuder?

Wie bei vielen Fragestellungen finden sich im Netz alle möglichen Informationen. Eine Einordnung dieser fällt schwer. Und Antworten auf regionale Gegebenheiten zu finden, ist fast unmöglich.
Wie füttere ich nun Wildvögel richtig? Soll ich nur im Winter oder das ganze Jahr über Futter nachlegen? Was hat es mit der neuen Blaumeisen-Krankheit auf sich und tritt sie bereits in Hohenlohe auf?

Lokalen Vogelexperten gefragt

Mit diesen Fragen wende ich mich an Detlef Wucherpfennig aus Crailsheim. Der 55-Jährige ist Vorstands-Mitglied der NABU-Ortsgruppe Crailsheim und ehrenamtlicher Regionalkoordinator der Ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg (OGBW) für den Landkreis Schwäbisch Hall. Seine Hauptaufgabe als Regionalkoordinator ist es, die im Internetportal www.ornitho.de eingegebenen Vogelbeobachtungen zu überprüfen und Fragen der Beobachter zu beantworten.

Lieber Herr Wucherpfennig, ist es überhaupt sinnvoll, Wildvögel im eigenen Garten zu füttern? Oder greife ich nur blauäugig in das Ökosystem ein und richte Schaden an?

Detlef Wucherpfennig: Zunächst zur zweiten Frage: Mit allem, was der Mensch tut oder manchmal auch nicht tut, greift er in Ökosysteme ein. Das ist nicht per se gut oder schlecht, weil die belebte Natur sich seit ihrem Bestehen immer wieder an Veränderungen anpassen muss. Von der Vogelfütterung profitieren nur einige wenige Arten, die in der Regel auch noch häufig sind, so dass der Beitrag zum Vogelschutz eher bescheiden ist. Als wichtigeren Aspekt der Vogelfütterung betrachte ich, dass sie für viele Menschen eine einfache Möglichkeit bietet, Wildtiere ungestört zu beobachten und auf diesem Wege mehr über die Natur zu erfahren. Insbesondere für Kinder ist es eine ideale Möglichkeit, sich mit der Natur auseinanderzusetzen. Vögel sind im Übrigen sehr reinlich, sie müssen ihr Gefieder täglich pflegen, um flugfähig zu bleiben, so dass mit einer Vogeltränke, die gleichzeitig auch als Bad dient, diesem Bedürfnis Rechnung getragen werden kann.

Was können Sie denn zur Situation von Wildvögeln in Hohenlohe sagen?

Detlef Wucherpfennig: Hohenlohe beziehungsweise der Landkreis Schwäbisch Hall sind natürlich keine Inseln der Seligen. Auch hier gibt es bei einigen Arten auffällige Bestandsrückgänge. Andere Arten nehmen dagegen eher zu. Das ist so in ganz Deutschland in regional unterschiedlichem Maß zu beobachten. Häufiger sind zum Beispiel die Einwanderer Nil- und Rostgans. Seltener anzutreffen sind Arten wie das Rebhuhn und die Grauammer. Insgesamt nehmen aber deutlich mehr Arten in ihren Beständen ab als zu.

Was wissen Sie über die neue Blaumeisen-Krankheit? Ist sie schon bei uns angekommen?

Detlef Wucherpfennig: Über diese Krankheit weiß ich auch nicht mehr als das, was der NABU auf seiner Webseite berichtet: Am 21.04. wurde mitgeteilt, dass es sich um eine Infektion mit einem Bakterium handelt, das vor allem die kleineren Meisen-Arten befällt und bei ihnen eine Lungenentzündung auslöst. Die Schwerpunkte des Auftretens liegen bisher in Rheinland-Pfalz, Teilen Hessens, Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens. Nach der auf der Webseite dargestellten Karte wurden die rund 13.000 Fälle aus ganz Westdeutschland gemeldet, während aus Ostdeutschland bisher kaum Meldungen vorliegen. Auch aus dem Landkreis gab es Meldungen.

Was empfehlen Sie denn einem laienhaften Vogelfreund wie mir? Welches Futter sollte ich denn kaufen? Welche Vogelhäuschen empfehlen Sie?

Detlef Wucherpfennig: Beim Vogelfutter sollte man pragmatisch denken. Wenn etwas von den Vögeln angenommen wird, kann man es weiter anbieten. Etwas, was die Vögel links liegen lassen, bietet man eben nicht mehr an. Generell sollte man eher Futter renommierter Anbieter verwenden, weil dieses Futter sorgfältiger zusammengestellt wird. Auch was ungewünschte Bestandteile anbelangt. So wurden im „Billigfutter“ schon mehrfach Samen der Beifuß-Ambrosie festgestellt, die wenig bis gar nicht gefressen werden und im Sommer aufgehen. Diese Pflanzenart ist als stark allergie-auslösend bekannt. Vogelhäuschen aus Holz sehen zwar schöner aus, sind aber schwerer zu reinigen als Vogelhäuser aus anderem Material und eventuell anderer Bauweise. Ansonsten kann die Maxime gelten: Wenn es gefällt und von den Vögeln angenommen wird, ist es in Ordnung. Wichtig ist eine regelmäßige Reinigung, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.

Ist es denn gut, auch in den warmen Monaten zu füttern?

Detlef Wucherpfennig: Die Fütterung in den Sommermonaten ist nach wie vor umstritten. Wer dies unbedingt machen möchte, sollte auf spezielles Futter für diese Jahreszeit achten, da die Vögel einen anderen Bedarf haben als im Winter. Hygiene, also die regelmäßige Reinigung der Futterstelle, ist im Sommerhalbjahr noch wichtiger als im Winter.

Was muss ich denn bei einer Tränke beachten? In den sozialen Netzwerken wird zum Beispiel aktuell aufgefordert, wegen der anhaltenden Trockenheit Tränken aufzustellen.

Detlef Wucherpfennig: Tränken bieten, ebenso wie Futterstellen, eine gute Möglichkeit, das Vogelverhalten zu beobachten. Auch hier ist Hygiene wichtig, weil sich Keime im stehenden, warmen Wasser schnell vermehren können. Daher: Das Wasser regelmäßig ersetzen und die Tränke reinigen.

Wie wichtig sind Hausgärten als Biotope?

Detlef Wucherpfennig: Naturnahe Hausgärten können für einige Arten wichtige Teile ihres Lebensraumes im Siedlungsbereich sein, denn dort finden sie Nahrung und Brutmöglichkeiten. Dies dürfte insgesamt noch wichtiger sein als die Vogelfütterung, von der nur wenige, aber relativ häufige Arten profitieren, die im Winter bei uns bleiben. Ein naturnaher Gärten nützt auch den Arten, die uns im Winter verlassen, wie zum Beispiel der Zilpzalp oder die Mönchsgrasmücke, der Star oder der Girlitz.

Können Sie Bezugsquellen für Vogelfutter empfehlen?

Detlef Wucherpfennig: Da ich selbst keine Vögel füttere, kann und will ich hier keine Empfehlung geben.

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