Zurück in Hohenlohe nach 36 Jahren

Menschen | Autor: Matthias Schäfer

Ich bin Lehrer in Offenbach und in den letzten Jahren hatte ich öfter mal einen Albtraum. In diesem Traum werde ich strafversetzt an das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim. Das allein war schon schlimm, aber meiner Frau und den Kindern beibringen zu müssen, dass wir nach Erkenbrechtshausen umziehen müssen, trieb mir regelrecht den Angstschweiß auf die Stirn.

In Hohenlohe leben – in den 1980ern undenkbar

Zu meinem Hintergrund: Als „Reingschmeckter“ zog ich mit meiner Familie in den 70er Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Crailsheim und nach einem kurzen Abstecher über die Geschwister-Scholl-Grundschule in Ingersheim landete ich am ASG, wo ich 1984 Abitur gemacht … und danach ganz schnell wieder das Weite (Heidelberg, Tübingen, Paris, Marseille) gesucht habe. Das lag natürlich nicht an den vielen Freunden in Crailsheim und auch nicht einmal am hohenlohischen Dialekt, aber (um es mal mit Tocotronic zu sagen) hier leben? Nein, Danke!

Corona führt zurück zu den Crailsheimer Wurzeln

Nun ging es uns in diesem Corona-Jahr wie so vielen: der geplante Urlaub in Frankreich fiel ins Wasser und so kam es, dass ich meine Schulfreundin Michaela anschrieb und fragte, ob sie nicht ein paar Tipps für einen Kurzurlaub in Hohenlohe hätte. Was dann kam, war nicht nur eine ausführliche Mail mit allen möglichen Ausflugs- und Wanderzielen, sondern on top auch noch die Einladung, ihre Wohnung nutzen zu dürfen (Sie selbst suchte wohl ebenfalls das Weite… Uckermark; siehe Blogeintrag weiter unten).

Auf nach Tiefenbach

Wir machten uns also auf nach Tiefenbach und um einen ersten Eindruck zu bekommen (die anderen waren noch nie hier), sind wir schon in Schwäbisch Hall runter von der Autobahn und über die Dörfer gefahren. Über Langenburg, Bächlingen, Rot am See, Wallhausen näherten wir uns unserem Ziel und was soll ich sagen? Alle waren begeistert von der Landschaft. „Das ist ja wie im Urlaub!“, kam öfters von der Rückbank.

Die alten Orte in Crailsheim

Zuerst sind wir natürlich durch Crailsheim gefahren und haben die alten Örtlichkeiten aufgesucht, mit denen ich viel verbinde: unser ehemaliges Haus im Bauhausweg, die TSV-Anlage, den Lammgarten und natürlich das ASG. Da wurden viele Erinnerungen wach. Den Schwanensee gibt es ja noch immer!
In Tiefenbach angekommen, haben wir zuerst einmal die örtliche Badestelle gesucht. So etwas Idyllisches findet man selten… und so nette Leute trifft man auch nicht überall.

Im „Rößle“ in Saurach haben wir den obligatorischen Blootz getestet und zum Abschluss des Tages gab’s ein Eis in Kirchberg.

Nacht wie in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens

Wir kommen ja aus der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens und hatten uns schon im Vorfeld auf die himmlische Nachtruhe in Tiefenbach gefreut. Allerdings war für den nächsten Tag Regen angesagt, was scheinbar die gesamte Tiefenbacher Bauernschaft dazu bewegt hat, nachts die Mähdrescher anzuwerfen und irgendetwas auf den Feldern und Straßen zu unternehmen. Im Vergleich dazu ist der Frankfurter Flughafen auf einmal gar nicht mehr so schlimm … aber irgendwann war Ruhe und so blieb als einzig negativer Eindruck von unserem ersten Tag nur die hohe Frequenz von Bayern München Fahnen in der Region und auch die Aussicht von Michaelas Balkon wurde hiervon beeinträchtigt. (Ich war oben etwas ungenau… Ruhrgebiet meint eigentlich Dortmund.)

Kunsthalle Würth auf Metropolen-Niveau

Am nächsten Tag sind wir nach Schwäbisch Hall gefahren und haben die Kinder durch die Museen gescheucht (Lehrer-Eltern halt…) aber siehe da: sie fanden es toll und wenn man sich anschaut, was der Herr Würth da alles für umsonst ausstellt, ist man schon beeindruckt. Die Kunsthalle ist fantastisch und auch die alten Meister in der Kirche können mit allem mithalten, was man ansonsten nur in Metropolen sieht.
Ich gehe jetzt mal nicht näher auf unseren Abstecher nach Rothenburg ob der Tauber ein (das Kriminalistikmuseum musste halt für die Kinder sein…), sondern beende den zweiten Tag so, wie’s sich gehört: echt gutes (Engel-)Bier und leckeres Essen.

Wildpark Bad Mergentheim

Leider war für den dritten Tag heftiges Gewitter in der ganzen Region angesagt, weshalb unsere Wanderung im Jagsttal ausfallen musste. Stattdessen sind wir in den Wildpark in Bad Mergentheim gefahren und auch hier waren wir total begeistert.

Abreise dann doch früher als geplant

Deswegen sind wir schon am Abend wieder Richtung Offenbach aufgebrochen, nicht jedoch, ohne in Kirchberg im Turm noch eine Pizza zur Stärkung zu probieren. Auch das hat uns allen super gut gefallen … So bleibt unterm Strich: der Albtraum ist kein Albtraum mehr. Hier kann man leben. Und: Danke, Michaela!

Matthias Schaefer

Hohenlohe für Anfänger

Hier noch die Links zum Artikel:

Wildpark Bad Mergentheim
Kriminalmuseum Rothenburg/Tauber (bereits im Bayerischen!)
Unterkünfte in Crailsheim
Kunsthalle Würth – ein Besuch lohnt sich, kostenlos
Rößle in Saurach mit großem Biergarten und legendärem Blootzessen
Mosesmühle Bächlingen mit Biergarten und Bademöglichkeit in der Jagst
Mehr Tipps für Touris

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